Kategorie: Therapie und Diagnose

Kürzlich veröffentlichte Studie: Ein effektiver Vergleich von DMSO und Chondroitin Sulfat 2% bei Blasen Instillationen blieb versagt

Während eine DMSO Therapie nur durch die amerikanische Gesundheitsbehörde als Blasen Instillationstherapie  anerkannt ist, wird in Kanada und Europa auch die Therapie mit Chondroitin Sulfat bei einer IC angewendet. Beide Behandlungsmethoden scheinen einen Effekt auf die Wiederherstellung der Glycosaminoglykanschicht der Blasenschleimhaut zu haben, welche bei IC Patienten häufig angegriffen oder zerstört ist. Kürzlich veröffentlichte Studien konnten einen positiven Effekt der Therapie mit Chondroitin Sulfat auf die Symptome der IC zeigen. Es wurde jedoch nie eine statistische Signifikanz für die Benutzung herausgestellt.


In dieser Studie konnte ein Vergleich zwischen einer Behandlung mit Chondroitin Sulfat oder DMSO nicht gemacht werden, da viele Studienteilnehmer der DMSO Gruppe die Behandlung auf Grund starker Nebenwirkungen abbrachen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren dabei Schmerzen, Dysurie und ein starker knoblauchartiger Geruch, welcher bis zu sieben Stunden nach der Instillation zu verzeichnen war. Bevor diese Studie abgebrochen wurde, konnte in der Chondroitin Sulfat Gruppe jedoch eine Verbesserung der Schmerzen und der Miktionsfrequenz beobachtet werden. Zudem waren die Nebenwirkungen der Therapie mit Chondroitin Sulfat gering. Diese Studie zeigt, dass Chondroitin Sulfat eine potentielle Behandlungsmethode darstellt, aber noch mehr Forschung benötigt wird um alle Aspekte zu klären.

Quelle: Tutolo, Manuela, Ammirati, Enrico, Castagna, Giulia, Klockaerts, Katrien, Plancke, Hendrik, Ost, Dieter, Aa, Frank Van der, & Ridder, Dirk De. (2017). A prospective randomized controlled multicentre trial comparing intravesical DMSO and chondroïtin sulphate 2% for painful bladder syndrome/interstitial cystitis. International braz j urol, 43(1), 134-141.

Das Mikrobiom scheint bei Erkrankungen der Harnwege involviert zu sein

Dieser Rückblick zeigt einige Schlüsselforschungen die einen potentiellen Einfluss des Mikrobioms auf Erkrankungen wie der IC herausstellen. Das Mikrobiom, welches zu einer der komplexesten Gesellschaft gehört die den menschlichen Körper besiedeln, erlangt in neueren Forschungsarbeiten immer größeres Interesse. Dies ist dadurch zu begründen, dass die Detektion verschiedener Mikroorganismen verbessert wurde und die Kolonisierung durch Bakterien auch in den Harnwegen nachgewiesen werden konnte. Die Autoren dieses Rückblicks stellten dabei ein paar der wichtigsten Forschungsergebnisse heraus, die in Zusammenhang mit Harnwegserkrankungen stehen. Dies schließt eine kürzlich statt gefundene Analyse von Biomarkern im Stuhl mit ein, welche eines Tages möglicherweise ein Ansatz zur Behandlung der IC sein könnte. Sie zeigten zudem Ergebnisse anderer Studien, in welchen eine Erhöhung der Anzahl von Lactobacillus im Urin mit IC in Zusammenhang steht. In einer anderen Studie konnte gezeigt werden, dass Frauen mit dringlicher Harninkontinenz (UUI) ein Mikrobiom in den Harnwegen besitzen, welches sich von dem der Kontrollgruppe unterscheidet. Zudem zeigen Frauen mit UUI und starken Symptomen einen Verlust an Diversität innerhalb des Mikrobioms im Vergleich zu Frauen, welche nur schwache Symptome zeigen. Auch wenn diese und andere Ergebnisse des Artikels überzeugen, ist es notwendig weitere Studien durchzuführen, um die Signifikanz des Mikrobioms in Zusammenhang mit Harnwegserkrankungen zu verstehen.

Quelle: Hiergeist A, Gessner A. Clinical implications of the microbiome in urinary tract diseases. Curr Opin Urol. 2016 Nov 24. [Epub ahead of print]

Eine sorgfältige Behandlung der Blase, des Verdauungssystems und des Gehirns könnten zu einem Behandlungserfolg führen

In dieser Publikation stellten niederländische Forscher ein Konzept Namens „Bladder-Gut-Brain-Axis“ vor, das das Verständnis und die Erforschung von urologischen Erkrankungen, wie IC, überaktive Blase und dem Chronic Pelvic Pain Syndrom ermöglicht.  Die Forscher sind in diesem Zusammenhang besorgt, dass manchmal eine Behandlung keinen Erfolg zeigt, weil psychologische Erkrankungen nicht erkannt werden, diese aber mit zu den bekannten Symptomen führen. Vor allem Angststörungen und Depressionen sind mit einer schwereren Symptomatik assoziiert und erhöhen die Belastung durch die Erkrankung bei verschiedenen urologischen und gastrointestinalen Erkrankungen. Um die beste  Behandlung für Patienten zu erzielen, die eine Kombination aus urologischen und psychologischen Konditionen aufweisen, ist es das Beste, wenn die Behandlung durch ein multidisziplinäres Team durchgeführt wird als von nur einem Spezialisten.  Durch eine integrierte Behandlung von Spezialisten kann dem Patienten die beste Behandlung in Bezug auf medizinische, psychologische und soziale Aspekte ermöglicht werden. Dadurch empfehlen die Autoren eine multidisziplinäre Behandlung als ein Standard für Patienten mit viszeralen Schmerzen und anderen Symptomen, vor allem wenn der Patient nicht auf vorherige Behandlungen reagiert.

Quelle: Leue C, Kruimel J, Vrijens D, Masclee A, van Os J, van Koeveringe G. Functional urological disorders: a sensitized defence response in the bladder-gut-brain axis. Nat Rev Urol. 2016 Dec 6. doi: 10.1038/nrurol.2016.227. [Epub ahead of print]

Forscher zeigen vielfältige und grundlegende Faktoren, welche zur Entwicklung der IC beitragen

Dieser Artikel beinhaltet einen Rückblick auf Untersuchungen zur Ursachenforschung der IC. Der Rückblick sollte dabei die Vielfältigkeit der möglichen Ursachen zur Entstehung der IC aufzeigen und somit Forschern und behandelnden Ärzten die Heterogenität von ursächlichen Faktoren vermitteln. Die Forscher konnten dabei fünf funktionelle Veränderungen ausfindig machen die zur Entwicklung der IC beitragen.  Diese beinhalten die Dysfunktion des Urothels, die Aktivierung von Mastzellen, welche an entzündlichen Prozessen beteiligt sind, Autoimmunität, Blasenentzündungen und Entzündungen die mit dem Nervensystem in Verbindung stehen. Durch die sorgfältige Analyse verschiedener IC Ausprägungen könnte es möglich sein die verschiedenen Subtypen der IC besser zu definieren und einem dem Subtyp angepassten Therapieplan zu erstellen. In diesem Zusammenhang wäre es von Vorteil gute Biomarker zur Verfügung zu haben, welche zu den ursächlichen Faktoren passen.  Denn obwohl eine extensive Untersuchung von Biomarkern für IC stattfindet, konnte in diesem Artikel gezeigt werden, dass bis jetzt kein eingehendes Verständnis für diese Biomarker existiert und sie somit nicht zu einer sicheren Diagnose IC beitragen können.

Quelle: Jhang JF, Kuo HC1. Pathomechanism of Interstitial Cystitis/Bladder Pain Syndrome and Mapping the Heterogeneity of Disease. Int Neurourol J. 2016 Nov;20(Suppl 2):S95-104. Epub 2016 Nov 22.

 

Eine Behandlung mit Chondroitin Sulfat bei IC ist praktikabel und zeigt weniger Nebenwirkungen, als eine Behandlung mit DMSO

In einer randomisierten Studie wurden IC Patienten mit Chondroitin Sulfat oder DMSO behandelt. Beide Behandlungen wurden intravesikal durchgeführt bei einer wöchentlichen Behandlung für eine Dauer von sechs Wochen. Vierzehn der Patienten die eine Behandlung mit DMSO begonnen hatten, führten sechs Personen die Behandlung bis zum Ende durch. Gründe für den Abbruch waren ein erhöhtes Schmerzempfinden während oder nach der Behandlung, eine geringfügige Wirksamkeit und/oder der knoblauchartige, nicht zu tolerierende Geruch des DMSOs. Diese hohe Abbruchrate der Therapie veranlasste die Forscher zu empfehlen DMSO mit Vorsicht anzuwenden und nur mit einer aktiven Überwachung der Probanden in Bezug auf Nebenwirkungen. Im Kontrast dazu beschrieben die 22 Patienten, welche mit Chondroitin Sulfat behandelt wurden, eine moderate oder deutliche Besserung der IC sehr viel häufiger (74% Chondroitin Sulfat, 14% DMSO). Insbesondere zeigten die mit Chondroitin Sulfat behandelten Personen häufiger eine Schmerz Reduktion, eine Reduzierung des nächtlichen Wasserlassens und anderer Symptome. Abschließend wurde diese Studie durch die hohen Abbruchraten der DMSO Gruppe unterbrochen, was weitere Untersuchungen bezüglich der Vorteile einer intravesikalen Therapie induziert. Diese Studie liefert zumindest zusätzliche Hinweise darauf, dass eine Behandlung mit Chondroitin Sulfat eine bessere Wahl für eine intravesikale Behandlung darstellt im Vergleich zu DMSO. Eine im September veröffentlichte Studie, von Cervigni et al., mit einer höheren Anzahl an Probanden und dem Vergleich der Wirksamkeit von Chondroitin Sulfat und DMSO zeigte auch hier eine stärkere Reduktion des Schmerzes und weniger Nebenwirkungen bei einer Behandlung mit Chondroitin Sulfat.

Quelle: Tutolo M, Ammirati E, Castagna G, Klockaerts K, Plancke H, Ost D, Van der Aa F, De Ridder D. A prospective randomized controlled multicentre trial comparing intravesical DMSO and chondroïtin sulphate 2% for painful bladder syndrome/interstitial cystitis. Int Braz J Urol. 2016 Nov 2. doi: 10.1590/S1677-5538.IBJU.2016.0302. [Epub ahead of print]

 

  • Literatur

    An dieser Stelle geben wir Ihnen Buch- und andere Literaturtipps zum Thema IC und Vulvodynie.

     

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  • Behandlungsmethoden

    Erhalten Sie eine kleine Übersicht über den aktuellen Stand zur Behandlung der IC

     

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  • Ernährungsratgeber

    Mit unserem Ernährungsratgeber zeigen wir Ihnen, wie Ihnen eine Ernährungsumstellung helfen kann.

     

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  • Informationsvideo

    mit der freundlichen Genehmigung von Prof. Ueda können wir Ihnen hier das Video einer Blasenspiegelung bei Interstitieller Cystitis zeigen.

     

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über uns

Der Verein "ICA-Deutschland e. V." - gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis - wurde am 19.08.1993 gegründet. In Europa ist er der erste vergleichbare Verein und weltweit der zweite nach den USA.

Seit über 20 Jahren kämpft der Förderverein für Interstitielle Cystitis(ICA) für mehr Aufklärung und Information von Ärzten und Öffentlichkeit, initiierte zahlreiche Forschungsprojekte und konnte dazu beitragen, dass sich Diagnose- und Therapiemöglichkeiten deutlich verbesserten.

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