Sind Mastzellen immer noch gute Biomarker für die Diagnose der IC?

Mastzellzählungen in Blasen Biopsien als Kriterium für die Diagnose der IC sind grundsätzlich möglich, da eine Mastzellaktivierung auch bei diesem Krankheitsbild eine Rolle spielt und wohlmöglich an der Entstehung der Schmerzen beteiligt ist, da es bei Aktivierung zu einer Sensibilisierung der peripheren nozizeptiven Nervenfaser kommt. Auch andere Faktoren sind an der Entstehung des Schmerzes beteiligt, wie beispielsweise der NGF Faktor. In diversen Studien und auch nach den Diagnose Kriterien der ESSIC wird die Anzahl der Mastzellen (≥ 28  Mastzellen/mm2)  in Gewebeproben der Blase als Marker zur Identifizierung der IC herangezogen. In diesem Zusammenhang ist es jedoch schwierig eine einheitliche Bestimmung des Mastzellvorkommens zu finden, da es viele verschiedenen Methoden zur Quantifizierung von Mastzellen gibt. Am gebräuchlichsten ist hierbei die immunohistologische Untersuchung, welche eine Farbreaktion durch die Interaktion von Antigen und Antikörper hervorruft. Um eine Aussage über die Aktivität der Mastzellen treffen zu können ist es am eindeutigsten wenn Antikörper gegen die in den Mastzellen enthaltenen Granula benutzt werden, da diese Aufschluss über die tatsächliche Aktivität der Mastzellen gibt. Dabei wird ein Antikörper benutzt, welcher gegen die menschliche Mastzell-Tryptasen  gerichtet ist. So kann festgestellt werden, ob die Granula innerhalb des Zytoplasmas oder außerhalb vorliegen. Sind die Granula Außerhalb des Zytoplasmas zu finden handelt es sich um aktive Mastzellen.

Schwierig ist dieses Diagnosekriterium, weil Mastzellen an einer Vielzahl von entzündlichen Prozessen beteiligt sind und somit auch bei Personen vorkommen welche nicht an IC leiden. Vor allem sind Sie auch an der Entstehung von Allergien beteiligt, welche vor allem in Industrieländern vertreten sind. Es ist in diesem Zusammenhang also sehr wichtig aktive von nicht aktiven Mastzellen zu unterscheiden um diese als ein Diagnosekriterium heranzuziehen. Um eine Aussage bezüglich der Bedeutung von Mastzellen treffen zu können wäre hier also eine einheitliche Untersuchung notwendig um überhaupt einen Vergleich zwischen Studien zum Vorkommen der Mastzellen aufstellen zu können. Durch die heterogenen Untersuchungsansätze ist dies zurzeit jedoch nicht möglich.

Die von der ESSIC vorgeschlagene Menge an Detrusor Muskulatur zur Verifizierung des Mastzellvorkommens kann häufig nicht durch die Biopsie erreicht werden, was eine zweite Biopsie nach sich ziehen würde. Dies wäre aber weder praktikabel noch kosteneffektiv, da auch Mengen unterhalb von 1 mm2 ausreichen. Eine Unterscheidung der Hunner Typ IC von der nicht Hunner Typ IC ist mittels dieses Diagnostischen Merkmals möglich. Die Unterscheidung zwischen nicht Hunner Typ IC und OAB ist durch diese Methode nicht möglich, da keine signifikanten Unterschiede beim Vergleich des Mastzellvorkommens vorliegen. Um die Hunner und nicht Hunner Typ IC von der OAB zu unterscheiden ist es sinnvoller die Lymphozyt Infiltration und die Integrität des Urothels als histopathologisches Kriterium zu nutzen. Ohne Vorliegen dieser Infiltrate ist die Erkrankung der Überaktiven oder Hypersensitiven Blase zu zuordnen.

Quelle: van de Merwe JP, Nordling J, Bouchelouche P, et al. Diagnostic criteria, classification, and nomenclature for painful bladder syndrome/interstitial cystitis: an ESSIC proposal. Eur Urol 2008;53:60-7. 10.1016/j.eururo.2007.09.019
Gamper M, Regauer S, Welter J, et al. Are mast cells still good biomarkers for bladder pain syndrome/interstitial cystitis? J Urol 2015;193:1994-2000. 10.1016/j.juro.2015.01.036

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