Wie wird die Interstitielle Cystitis diagnostiziert?

Umfassende IC-Diagnostik ist aufwendig und ruht auf mehreren Säulen.

  • Anamnese
    Diese muss aktuelle Symptome, Begleit-erscheinungen, vorübergehende und chronische Krankheiten sowie stattgefundene Operationen erfragen. Zudem sollten Blasenentleerungsstörungen sowie körperliche oder psychische Misshandlung aktuell und in der Vergangenheit erfragt werden. Mögliche verwechselbare Erkrankungen sollten ausgeschlossen werden z. B. Blasenkrebs, Nierenerkrankungen, Tuberkulose, Vaginalinfektionen, Geschlechtskrankheiten, Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, Strahlenzystitis (und) Nervenerkrankungen, Malignomen und Harnwegesinfekte.
  • Das Miktions- und Schmerztagebuch sollte auch Hinweise auf besondere Umstände geben, wie z.B. Stresssituationen oder Besonderheiten bei der Ernährung.
  • Urinuntersuchung mittels Urinstreifen, Urinkultur und Urinzytologie
  • Urologische und gynäkologische Untersuchung, Zystoskopie unter Vollnarkose. Wenn keine Infektion vorliegt und keine andere Erkrankung festgestellt werden kann, ist es erforderlich die Blase zu dehnen, um die stecknadelkopfgroßen Blutungen in der Blasenwand zu sehen, die typische Merkmale der Krankheit sind.
  • Eine Biopsie der Blasenwand ist sinnvoll, um einerseits andere Erkrankungen wie z. B. Blasenkrebs auszuschließen und andererseits die Diagnose „Interstitielle Cystitis“ zu sichern. Der Pathologe muss den Auftrag erhalten, das Gewebe mit Blick auf eine IC zu untersuchen, da hierbei ein spezielles Verfahren angewandt werden muss (Giemsa-Färbung S-100-Immunhisto-chemie). Ab einem gewissen Stadium ist die IC pathologisch einwandfrei nachzuweisen. Im Frühstadium der IC ist in der Regel noch keine Gewebsveränderung zu erkennen.
  • Neben der Erfassung der klinischen Symptome und der Blasenspiegelung mit einer Gewebeentnahme zur mikroskopischen Untersuchung sollte eine Molekulardiagnostik spezifischer Zellproteine dazugehören, denn die IC ist eine Erkrankung, die Veränderungen in allen Schichten der Harn-blasenwand hervorrufen kann und dort Spuren auf zellulärer Ebene hinterlässt.
  • Beruhend auf der Hypothese, dass bei der IC eine Schädigung der GAG-Schicht (Glykosaminoglykan-Schicht) auftritt, lag die Vermutung nahe, dass bei der hohen Kaliumkonzentration im Harn ein Übertritt von Kalium in den suburothelialen Raum möglich ist und dass es dadurch zu einer Reizung der C-Fasern kommt, welche klinisch Harndrang und Schmerz verursachen.
    Der KCl-Test nach Parsons imitiert nun durch eine Instillation von 0,4 molarer KCl-Lösung als In-stillationsmedium den physiologischen Vorgang und beurteilt die Schmerzempfindung mit einer visuell analogen Skala. Die Tatsache, dass der 0,4 molare KCl-Test nach Parsons bei 25% der Patienten zu keiner Diagnose und bei 25% zu einem falsch positiven Resultat führt, und darüber hinaus für IC-Patienten sehr schmerzhaft ist, veranlasste eine Arbeitsgruppe um Daha, Riedel und Hohlbrugger, eine Modifikation dieses KCl-Tests dahingehend einzuführen, dass eine vergleichende (komparative) Urodynamik mit 0,9%iger NCl-Lösung und 0,2 molarer KCl-Lösung als Instillationsmedium verwendet wird. Während der Zystometrie mit KCl kommt es zu einem frühzeitigen Auftreten des Harndranges, der bei der Spülung mit Kochsalzlösung nicht zu beobachten ist. Des Weiteren führt die Spülung mit KCl zu einer Reduktion der Blasenkapazität, in Fällen von IC um mehr als 30% gegenüber den Messergebnissen mit physiologischer Kochsalzlösung. Eine Studie zeigte, dass diese Versuchsanordnung (0,9%ige NCl-Lösung und 0,2 molare KCl-Lösung), in konsekutiver Form angewendet, von den Patienten hinsichtlich der Schmerzsensation besser toleriert wird als der klassische Parsons-Test und dass die Ergebnisse von gleicher statistischer Validität sind.
    Der KCl-Test wird in der Diagnostik der IC aufgrund auch unbefriedigender Resultate kontrovers diskutiert. Einerseits ist dies durch die inhomogenen Patientengruppen, andererseits auch durch die geringen Fallzahlen in einigen Studien zu erklären. Bei ca. 25% der Fällen fällt der Test negativ aus. Aber fest steht, dass der alleinige positive KCl-Test kein Beweis für das Vorliegen einer IC ist. Sowohl die Symptome als auch die Glomerulationen oder Hunners Läsionen müssen vorhanden sein. Auch bei Patienten mit einer neurogenen Blase oder Strahlenblase kann der KCl-Test positiv ausfallen. Die erhöhte Kalium-Sensibilität der Blase soll nur ein Hinweis für das Vorhandensein eines GAG-Defektes sein.

Desweiteren stehen folgende Fragebögen zur Verfügung:

"O`Leary-Sant interstitial cystitis symptom and problem indices" und "Pelvic Pain and Urgency/Frequency (PUF) patient symptom scale".

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Der Verein "ICA-Deutschland e. V." - gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis - wurde am 19.08.1993 gegründet. In Europa ist er der erste vergleichbare Verein und weltweit der zweite nach den USA.

Seit über 20 Jahren kämpft der Förderverein für Interstitielle Cystitis(ICA) für mehr Aufklärung und Information von Ärzten und Öffentlichkeit, initiierte zahlreiche Forschungsprojekte und konnte dazu beitragen, dass sich Diagnose- und Therapiemöglichkeiten deutlich verbesserten.

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